Laughing scars

30. August – 09. September 2018

Projektraum 13, Dynamo Zürich

2015 nahm die Einwanderung über die Mittelmeerroute in die EU schlagartig zu und vervierfachte sich gegenüber 2014. Damals war die Solidarität mit den Menschen auf der Flucht gross, in den Medien wurde über die „Flüchtlingskrise“ berichtet und verschiedene NGO‘s engagierten sich oder wurden neu gebildet. Laut den aktuellen Zahlen von UNHCR befinden sich heute immer noch über 3 Millionen Menschen auf der Flucht in der Türkei, davon sind nicht einmal 10 Prozent als asylsuchend registriert. Die meisten von ihnen möchten nach Europa und riskieren bei der Überfahrt weiterhin ihr Leben. Die Mehrheit der Länder der EU können durch das Dubliner Übereinkommen und dem noch anhaltenden EU-Türkei Deal vom 18. März 2016 einen Zuwachs von Flüchtlingen ins eigene Land kontrollieren. Die Leidtragenden sind neben den Menschen auf der Flucht die Hauptankunftsländer Italien und Griechenland. Von den bis September 2017 versprochenen 98’000 Menschen auf der Flucht aus Italien und Griechenland wurden gerade einmal 29’000 in anderen EU Ländern aufgenommen. Ein Grossteil der restlichen Menschen muss in Kontainer, teilweise sogar in Zelten leben. Immer noch erreichen fast täglich Boote mit bis zu 80 Personen die griechische Insel Lesbos. Letztes Jahr starben allein im Camp Moria auf Lesbos mehrere Menschen aufgrund von Schnee und Kälte und einer absolut katastrophalen Versorgung. Viele Menschen auf der Flucht warten über ein Jahr ohne jeglichen Bescheid auf ihr Asylantrag. Die Flüchtlingsthematik ist aus dem Fokus der Medien und der Schweizer Bevölkerung gerückt, doch die prekären Zustände halten weiterhin an.

Um die aktuelle Situation auf Lesbos wieder sichtbar zu machen, werden Alessa Widmer und Carla Peca gemeinsam mit dem Fotografen Jojo Schulmeister im Herbst 2018 eine Ausstellung in Zürich organisieren. Der Fotograf Jojo Schulmeister reiste erstmals 2016 nach Lesbos, um sich ein eigenes Bild der Lebensbedingungen der Menschen auf der Flucht zu verschaffen. Er knüpfte Kontakt zu den Volunteers und den Flüchtlingen, führte Interviews und fotografierte die Zustände für das Magazin VICE. Bei seinen Aufenthalten auf Lesbos lebte er jeweils im Volunteer-Haus der NGO Attika in Mitilini. Die Hauptstadt der Insel ist ein Schmelztiegel verschiedener Nationalitäten und Schicksalsschlägen. Nicht nur die Menschen auf der Flucht bringen ihre traumatischen Erlebnisse mit, auch die Volunteers sind überfordert von dem, was sie tagtäglich sehen, so auch die Griechen, die unter der hohen Arbeitslosenrate von 21 Prozent leiden. Es ist ein Leben im Ausnahmezustand. Jojo Schulmeister wurde Teil der Community auf Lesbos bestehend aus Geflüchteten, Griechen und Langzeit-Volunteers. Nebst den bisher entstandenen Fotostrecken und Interviews für Magazine, begann er eine Fotoserie, die gezielt auf einzelne Menschen auf der Flucht fokussiert. Die Fotoserie «Laughing Scars» zeigt von einem porträtierten Menschen auf der Flucht das Lachen, die Hände und eine Narbe. In den westlichen Medien häufig zu Zahlen der «Flüchtlingskrise» reduziert, zeigen diese Bilder Menschen, mit denen wir uns identifizieren können. Durch die Ausstellung können die Bilder eine Brücke zwischen dem Betrachter der Fotografien in Zürich und den porträtierten Flüchtlingen auf Lesbos schaffen.

Die Fotoserie «Laughing Scars» des Fotografen Jojo Schulmeister zeigt Ausschnitte vom Lachen, den Händen und die Narbe einer Person. Es sind fragmentarische Porträts von Flüchtlingen auf Lesbos. Mit fast allen Porträtierten steht Jojo Schulmeister bereits seit über einem Jahr in Kontakt. Die Fotografien sind deshalb immer auf Augenhöhe mit den Porträtierten und waren ihre Würde. Während dem Fotografieren führen sie längere Gespräche, in denen die Porträtierten von ihrer Herkunft, ihrer Reise und ihren Hoffnungen erzählen. Passagen dieser Gespräche werden als Saaltext und in gedruckter Form als Buch Teil der Ausstellung sein. Die Fotoserie vom Lachen, der Hände und einer Narbe sind Ausschnitte von Details, die intime Geschichten über die porträtierte Person Preis geben. Sie spielen mit der Diskrepanz zwischen Anonymisierung und persönlichen Einblick. Es sind einerseits intime Zeugnisse der erlebten Schicksale und wahren doch die notwendige Anonymität der Personen.


Kontaktperson:
Carla Peca
carlapeca@bluewin.ch
+41 79 531 85 83

Konzept als PDF

Lesbos, Griechenland

Projekte, die wir unterstützen wollen

«One Happy Family» ist ein Gemeinschaftszentrum auf der griechischen Insel Lesbos. Lesbos ist aufgrund der Nähe zur Türkei eine Zwischen-Destination für Menschen auf der Flucht von Kriegen und Krisen im Mittleren Osten und Nordafrika. Diese Menschen bleiben nach ihrer Ankunft viele Monate auf der Insel, da sie aufgrund des EU-Türkei-Abkommens nicht auf das Festland weiterreisen dürfen, jedoch aufgrund der Menschenrechtslage in der Türkei meistens auch nicht zurückgeschickt werden können. Mit diesem Zentrum, welches stetig wächst und mehrere hundert Besucher pro Tag zählt, werden Lücken gefüllt, welche durch unzureichende humanitäre Hilfe und fehlende staatliche Interventionen entstanden sind.

Mehr Infos auf www.ohf-lesvos.org

Das Team von Attika sortiert die Güter und liefert Pakete an bis zu über zwanzig lokale NGO’s die dann als Teil ihres Service diese direkt an die Asylbewerber verteilen. Zudem verfügt Attika über ein Verpackungs- und Versandsystem bei dem die Asylsuchenden direkt über WhatsApp bestellen können. Es ist das einzige Lagerhaus, dass offen ist für alle. Attika Human Support wird ausschliesslich von Freiwilligen betrieben. Viele sind selbst Flüchtlinge oder Asylsuchende die auf der Insel leben. Während unseren Aufenthalten in Lesbos können wir jeweils kostenlos im Volunteer-House von Attika wohnen.

Mehr Infos auf www.attikahumansupport.org