Laughing scars

30. August – 09. September 2018

Projektraum 13, Dynamo Zürich

Sind wir bereits darauf konditioniert, Bilder von geflüchteten Menschen auf eine bestimmte Art und Weise zu sehen? Wie nehmen wir lachende Flüchtlinge wahr? Alessa Widmer und Carla Peca zeigen mit der Fotoserie «Laughing Scars» des Fotografen Jojo Schulmeister Ausschnitte von lachenden Mündern, von Händen und von Narben – Porträts von Flüchtlingen auf Lesbos.

Die Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten sind uns längst bekannt. Fotos von schrecklichen Bedingungen in Flüchtlingslagern, wie zum Beispiel jener im Camp Moria auf Lesbos, erschrecken uns nicht mehr. Flüchtlinge werden in den Medien zu einer Projektionsfläche: Entweder sind sie eine bedrohliche Anzahl von Menschen, die das Verwaltungssystem unser Nationalstaaten an ihre Grenzen bringt, oder sie sind die Opfer von Kriegen, die ums nackte Überleben kämpfen. Wie auch immer man die Geschichte erzählt: Es bleiben reale Menschen mit einer Herkunft, einer Geschichte und der Hoffnung auf ein neues Leben.


Fotografie
Jojo Schulmeister

Kuration/Produktion
Carla Peca
Alessa Widmer

Kontaktperson
Carla Peca
carlapeca@bluewin.ch
+41 79 531 85 83

>> Medienmitteilung als PDF <<

Location
Wasserwerkstrasse 13, 8006 Zürich

Jojo Schulmeister gehört zu denen, die ihre Geschichten hören wollten. 2016 ist er zum ersten Mal nach Lesbos aufgebrochen und seither in regelmässigen Abständen zurückgekehrt. Schon früh stellte er sich die Frage, wie man über die Geflüchteten berichten kann. Welches Bild sollen seine Fotografien vermitteln? Fotografie darf im Grunde was sie will. Die Dokumentarfotografie ist dazu verpflichtet, Krisen zu dokumentieren. Die Kunstfotografie, die mit bestehenden Sehgewohnheiten brechen möchte, hat sowieso alle Freiheit der Kunst inne. Doch können Bilder beeinflussen, wie wir Flüchtlinge wahrnehmen. Und wie bereits erwähnt: Schockierende Bilder schockieren schon lange nicht mehr. Jojo Schulmeister begann also zu reduzieren, auf kleine Details: Hände, ein Lachen, eine Narbe. Die Ausschnitte sind frei von kulturellen Codes, die uns als Betrachter helfen würden, den porträtieren Menschen als einer uns fremden Kultur angehörig zu sehen.

Jojo Schulmeister, fokussiert in seiner Arbeit auf jungen Männer. In Europa oftmals stigmatisiert und als bedrohlich wahrgenommen, nähern sich ihnen diese Fotografien auf Augenhöhe. Jojo Schulmeister macht Bilder von jungen Männer, die er auf seiner Reise kennengelernt und interviewt hat. Sie sind Flüchtlinge, aber dieses Merkmal wird nebensächlich. Vielmehr sind sie Gleichgesinnte, die einfach unglaublich grosse Ungerechtigkeit erfahren, da sie in einem anderen Land geboren wurden.

Lesbos, Griechenland

Projekte, auf die wir aufmerksam machen wollen

Im Zuge der Ausstellung möchten wir zudem auf zwei auf Lesbos agierende NGOs aufmerksam machen, die in die grosse Lücke springen, die die ungeklärte europäische Migrationspolitik hinterlässt: Attika und One Happy Family.

«One Happy Family» ist ein Gemeinschaftszentrum auf der griechischen Insel Lesbos. Ihr Ziel ist, den mehreren tausend auf Lesbos festsitzenden Menschen ein Stück Würde und Selbstbestimmung zurückzugeben. Innerhalb des Gemeinschaftszentrums gibt es viele verschiedene Projekte, welche auf Wunsch und Initiative der flüchtenden Menschen entstanden sind. Das Community Center wird nicht für geflüchtete Menschen gebaut und betrieben, sondern mit ihnen. Gemeinsam mit Leuten aus verschiedensten Nationen, freiwilligen Helfern und geflüchteten Menschen soll es ein Ort für die Gemeinschaft sein. Die Menschen aus den staatlichen Lagern werden nicht nur in den Aufbau und Betrieb, sondern auch in die Ideenfindung und Entscheidungsprozesse mit einbezogen, um ihnen so ein Gefühl von Selbständigkeit, Eigenantrieb und Verantwortungsbewusstsein zurückzugeben.

Mehr Infos auf www.ohf-lesvos.org

Als NGO, die das grösste Lagerhaus für gespendete Güter betreibt, spielt Attika Human Support eine entscheidende Rolle in der Verteilung von humanitärer Hilfe auf Lesbos. Die meisten internationalen Spenden, wie Kleider, Schuhe, Zelte, Kinderwagen, Tücher, Toilettenartikel und andere persönliche Gegenstände für Lesbos, werden direkt zu Attika geschickt. Das Team von Attika sortiert die Güter und liefert Pakete an bis zu über zwanzig lokale NGO’s, die dann als Teil ihres Service diese direkt an die Asylbewerber verteilen. bei dem die Asylsuchenden direkt über WhatsApp bestellen können. Es ist das einzige Lagerhaus, dass offen ist für alle. Attika Human Support wird ausschliesslich von Freiwilligen betrieben. Viele sind selbst Asylsuchende die auf der Insel leben.

Mehr Infos auf www.attikahumansupport.org

 


Rahmenprogramm


Vernissage
Donnerstag, 30.08.2018 
ab 19 Uhr

Lange Nacht der Zürcher Museen
Samstag 01.09.2018
Musik ab 20 Uhr

Podiumsdiskussion
Mittwoch 04.09.2018
um 20 Uhr

Poetry-Slam
Donnerstag 06.09.2018
ab 20 Uhr

Finissage
Samstag 08.09.2018
ab 20 Uh
 


Die Ausstellung wird u.a. ermöglicht durch Maya Behn-Eschenburg Stiftung, Georges und Jenny Bloch Stiftung und Migros Kulturprozent.
Weitere Unterstützung durch Leica SwitzerlandSpieglerey und fundsachenverkauf.ch.

Leica
Migros Kultur